Gewaltfreies Hundetraining, die never ending Story...

Fragt man einen beliebigen Hundehalter ob er seinen Hund durch Gewalt erziehen würde, bekommt man unweigerlich ein entrüstetes „NEIN, natürlich nicht!“ zur Antwort. Jeder liebt seinen Hund und würde ihm selbstverständlich „NIE etwas Böses tun“. Will man genauere Antworten (besonders in schriftlichen Diskussionen) wird schnell klar, dass „Gewalt“ offenbar ein sehr dehnbarer Begriff ist. Und dann laufen sich diese Diskussionen tot, weil irgendwann das Argument kommt „Im Grunde ist das Führen des Hundes an der Leine bereits Gewalt“ – und dann geht nichts mehr... Erschwerend kommt hinzu, dass Hunde sehr unterschiedlich auf Gewalt, die ihnen angetan wird, reagieren. Und dass psychische Gewalt von Menschen, die sie ausüben kaum erkannt wird – von Hunden, den Meistern der stillen Kommunikation jedoch mindestens ebenso sehr wie körperliche.

 

Der Mensch hat über Jahrhunderte unzählige Hunderassen erschaffen, die ihm in jeder erdenklichen Situation zu Nutze sein sollen. Jagdhunde „vor dem Schuss“, Jagdhunde „nach dem Schuss“, eigenständige Jagdhunde, Hunde, die sein Hab und Gut bewachen sollen, Hunde, die ihm in der Viehwirtschaft dienlich sein sollen, Hunde, die sein Herz und seinen Schoß wärmen sollen, Hunde, die „Schädlinge“ fernhalten sollen, Hunde, die für ihn kämpfen sollen, Hunde, die für ihn auf der Rennbahn Geld erwirtschaften sollen, Hunde, deren feine Nasen ihm Ruhm und Ehre bringen sollen, Hunde, die in Personalunion jagen und wachen sollen und vieles, vieles mehr.

 

Die besonderen Fähigkeiten all dieser Hunde gehen Hand in Hand damit, wie sie mit menschlicher Gewalt, die ihnen zuteil wird, umgehen. Und das birgt eine der Auswirkungen gewaltbetonter Erziehung, die für Menschen anscheinend am Schwersten zu begreifen ist. Ein sensibler Hütehund, zur engen Zusammenarbeit gezüchtet, scheint Gerucke an der Leine, scharfe Worte und auch körperliche Züchtigung wegzustecken und seinem „Herrn und Meister“ trotzdem jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ebenso die große Gruppe der „abhängigen“ Jagdhunde, die geprügelt und unwürdigst behandelt, immer noch arbeitsbereit dem „Führer“ um die Beine streichen. Kleine Schoßhunde, deren Drohen und hilfloses um sich Beißen bestenfalls belächelt und schlimmstenfalls mit Ohrfeigen geahndet wird. Retriever, die sich einfach aufgeben und dann als besonders „angenehm“ empfunden werden. 

All diese Hundetypen dienen so manchem Hundetrainer dazu, seine stumpfen Erziehungsansätze und Rudelführerfantasien zu rechtfertigen, denn „es funktioniert ja“... Wie es den Hunden dabei geht und dass viele Menschen nur deswegen noch körperlich unversehrt weiter diese Art des Umgangs mit ihnen pflegen können, liegt allein daran, dass die enorme Kooperationsbereitschaft (oder auch körperliche Grenzen bei Kleinsthunden) dieser Hunde sie davon abhält, Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

Ganz anders sieht das bei Hunderassen aus, die für ihre ihnen zugedachte Arbeit auf weniger Abhängigkeit vom Menschen hin selektiert wurden. Diese Hunde wehren sich irgendwann gegen ungerechte Behandlung. Jeder kennt den „bissigen Dackel“, den „grantigen Terrier“, den Rottweiler, der seinen Halter „an die Wand stellt“, den Herdenschutzhund, der „plötzlich“ gefährlich wird und auch Ur-Hunde wie den Akita, der, sobald erwachsen, seine zuvor subtilen Drohungen plötzlich eindrucksvoll umsetzt. Gerne wird von Menschen, die rucken und kicken und „zeigen, wer der Boss ist“ dann erklärt, dass zu freundschaftliche Erziehung an diesen Verhaltensweisen schuld sei und dass Hunde untereinander auch nicht gerade zimperlich miteinander umgehen würden. Eine traurige Fehlinterpretation!

 

Freundschaftlicher Umgang mit Hunden heißt nicht, dass man sich gar nicht um sie kümmert oder zu allem, was sie tun, „Ja und Amen“ sagt. Freundschaftlicher Umgang ist das, was er heißt: Freundschaftlich!

 

Freundschaft bedeutet auf den anderen einzugehen, ihn ernst zu nehmen, seine Bedürfnisse zu achten, eine gemeinsame Kommunikationsebene zu schaffen, gern zusammen zu sein, aber auch zu zeigen, wenn etwas nicht erwünscht ist. 

Menschen fliegen zum Mond, aber schaffen es nicht, einem Wesen, das ihnen sozial und emotional so ähnlich ist, anders als auf grobe Weise mitzuteilen, wenn es etwas Unerwünschtes tut? Das kann und will ich nicht recht glauben.

 „Hunde untereinander sind auch nicht zimperlich“ – das mag unter bestimmten Umständen so sein, aber Hunde sind untereinander auch unglaublich zärtlich und liebevoll, großzügig und fürsorglich. Wieso picken sich Menschen, wenn sie schon denken, Hundeverhalten nachahmen zu müssen, genau jene Dinge raus, die Hunde selbst am wenigsten mögen? Viele Grobheiten passieren ja nicht aus der Notwendigkeit heraus, sondern weil Hunde z.B. durch unpassende Familienkonstellation, Enge, aggressive Grundstimmung und schlechtes Management dazu gezwungen werden. Freundschaftlicher, liebevoller, fürsorglicher Umgang kann niemals der Auslöser für unangebracht aggressives Verhalten sein. Gewalt und aggressives Verhalten seitens des Menschen jedoch sehr wohl.

Was ist denn Gewalt und wo fängt sie an?

Ein Leinenruck, ein „kleiner Kick“ in die Seite, das „auf den Rücken legen“, auch Alphawurf genannt, Einschüchtern des Hundes, Bedrängen des Hundes, Zwangsvergesellschaftung unpassender Individuen, Spazieren zu gehen ohne den Hund ausführlich schnüffeln zu lassen, einen Hund respektlos zu behandeln, Primatenverhalten von einem Hund zu verlangen, Hunde in für sie ausweglose Situationen zu bringen, Grundbedürfnisse für Trainingszwecke auszunutzen („Nur ein hungriger Hund arbeitet gut“), Liebesentzug/Ignorieren.

 

Wenn man sich das alles vor Augen hält, muss man erkennen, dass Gewalt in welcher Form auch immer kein passender Zugang zu Hunden sein kann.

 

Wie ist es möglich, dass wir einem Wesen, dem wir uns so überlegen zu sein glauben, auf emotionaler Ebene derartig unterlegen sind und das nicht einmal bemerken? Es ist höchste Zeit umzudenken.

Die vielen wegen Aggressionsproblemen im Tierheim abgegebenen Hunde sprechen eine deutliche Sprache – wann werden wir diese Zeichen endlich richtig deuten?

Wenn wir da nun den direkten Bezug zum Akita machen, findet man aktuell viele in Tierheimen und auch bei Akita in Not stapeln sich die Hunde auf der Webseite. Allesamt in einem Alter von wenigen Monaten bis 3 Jahren. Warum werden so viele Hunde in so frühem Alter abgegeben, weil die Menschen ihnen nicht mehr gerecht werden können? Ist dies ein Problem der Erziehung? Ja, ziemlich sicher schon, aber halt nicht nur, und auch nicht weil die Menschen mit den Hunden freundlich umgegangen sind.

 

Ein Akita ist kein Stofftier, auch wenn sie gerade im Welpenalter diesem doch schon sehr ähneln. Es sind Hunde mit sehr eigenständigem Charakter die für Ihren Job (Jagen, Schützen, Wachen) auch darauf selektiert wurden, und sie brauchen ebenso einfühlsame Menschen, die das Wissen darüber haben, was sie sich für ein neues Familienmitglied ins Haus geholt haben. Sehr oft gibt es auch unüberlegte Welpenkäufe im Ausland, bei Vermehren und für wenig Geld, die Aufzucht dieser Hunde ist nicht optimal und auch dies kann bereits im frühen Alter des Hundes zu Verhaltensauffälligkeiten führen.

Und es gibt auch die Menschen, die sich einen Hund „zulegen“ und dann komplett überfordert sind, weil der „ach so niedliche Teddy“ dann doch zu einem richtig großen, selbständigen Hund heran wächst.

 

Aber viel öfters findet man Hunde im Tierheim, die bereits in jungem Alter Druck und Gewalt erfahren mussten, Hunde die im Welpenalter auf den Rücken gelegt wurden (Alphawurf), bei denen der Leinenruck am Halsband bereits ab Tag 1 fix zur „Erziehung“ gehört und bei denen der Akita grundsätzlich schon mit „Dominanzreduktions-Maßnahmen“ aufgezogen werden soll. Diesen Hunden wird schon sehr früh deutlich vermittelt das sie kein Mitsprache recht haben, und es eine Einwegkommunikation ist (Mensch befiehlt, Hund hat zu gehorchen) was nach unserer Sicht eine sehr eingeschränkte Kommunikationsform mit dem Hund darstellt.

 

Was passiert da genau? Es beginnt mehr und mehr eine Spirale der Gewalt durch unsachte und veraltete Erziehungsmethoden. Eine Gewalt, die nicht immer für alle sichtbar ist, für den Hund aber sehr wohl und deutlich fühlbar. Der Hund wird immer mehr verunsichert und beginnt mit Übersprungshandlungen (Hochspringen, Leinebeißen, nicht zur Ruhe kommen u.s.w.). Der Junghundehalter sucht Hilfe bei Hundetrainern, deren Antworten oft nicht befriedigend sind und geht meist in Richtung der „Mehrauslastung“.

 

Damit der Hund nicht mehr in Hände und Leine beißt und zu Hause endlich mal Ruhe gibt, geht man auf lange Spaziergänge, die schon in jungem Alter 1-2 Stunden andauern, diese vielen Außenreize überfordern den Junghund noch zusätzlich und der Stresspegel steigt weiter….

 

Er kann sich noch weniger konzentrieren, zeigt immer deutlichere Stresssymptome anhand von Übersprungshandlungen und der verunsicherte Hundehalter ruckelt ohne besseren Wissens weiter am Halsband rum, stößt ihn mittlerweile auch schon mal in die Nierengegend und drückt ihn zu Boden, wenn er den nächsten Hund anknurrt.

Alles in allem kurz gesagt:

Hund und Mensch kommen immer mehr in den Stresszustand der Überforderung, und da lernt es sich nicht mehr, auch der Mensch lernt nicht sehr gut wenn er unter Höchststress steht.

 

Häufig werden solche Hunde auch frühkastriert, weil man sich damit mehr Ruhe und weniger Probleme erhofft, dies ist ein Trugschluss, da die Gründe der Überforderung in diesem Fall durch den Menschen kommen, und nicht alleine durch die Hormonelle Umstellung.

 

Die Begegnungen mit anderen Hunden und Menschen werden altersbedingt auch nicht besser, und irgendwann zwischen einem und drei Jahren ist es dann so weit, der Hund gilt als „asozial“ und „gefährlich“ und er wird abgegeben ins Tierheim.

 

Natürlich gibt es auch die Hunde, die im Tierheim landen weil das geliebte Herrchen verstorben ist, oder krankheitsbedingt nicht mehr auf den Hund schauen kann, aber von diesen Geschichten reden wir hier nicht. Auch gibt es bestimmt Hunde, die abgegeben werden, weil sich der Mensch erst gar nicht mit den Bedürfnissen des Hundes auseinandersetzen möchte, und am liebsten immer einen süßen kleinen Welpen gehabt hätte, und wenn dieser beginnt, die Welt auf den Kopf zu stellen, auch nicht mehr klar kommen.

 

Ich hoffe für diese Akita nur, dass sie bald wieder aus dem Tierheim raus kommen, weil genau diese sensiblen Kerlchen einfach nur ein sicheres Zuhause benötigen, wo ein strukturierter Tagesablauf, Routine und Management wo nötig, ein gutes Gefühl vermitteln. Da wo die Basis des Vertrauens entsteht kann man weiter wachsen!

 

Denn die sogenannten „besonders schwierigen Hunde“ sind in der Regel besonders sensibel, besonders ängstlich, besonders krank (selbst wenn das von aussen nicht immer sofort erkennbar ist) oder stehen unter negativem Stress (Distress).

 

Immer wieder wird den positiv arbeitenden Trainern unterstellt, dass keine „Grenzen“ gesetzt werden, und die Hunde ein „haltloses“ Leben führen, und deshalb Verhaltensprobleme entstehen und Hunde im Tierheim abgegeben werden.

Dem ist jedoch nicht so, auch wir setzen Grenzen durch Management, wenn diese nötig sind, jedoch setzen wir sie so, dass sie für den Hund auch verständlich sind und Sinn machen, wir sagen dem Hund nicht nur was er nicht machen soll, sondern zeigen ihm auf was wir anstelle des unerwünschten Verhaltens gerne von ihm hätten, das heisst, wir zeigen ihm erwünschtes Alternativverhalten und bestätigen dies dann auch mit Lob.

Und natürlich sagen wir unseren Hunden auch mal „das lassen wir jetzt aber“, aber das reicht üblicherweise aus, damit es vom Hund auch verstanden wird. Ebenfalls lassen wir Verhalten, welches wir nicht wünschen, gar nicht erst passieren. Soll heißen, wir arbeiten vorausschauend und proaktiv.

 

Wir verhindern Situationen, die für unseren Hund ungut sind und wir bringen Hunde NICHT in Situationen in denen sie nicht mehr denken können. Daraus entstehen schöne Lernerfahrungen, die dem Hund Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Und da diese Hunde auch lernen, selbst mit zu denken, werden sie auch in schwierigen Situationen immer zuverlässiger und tätigen gute Entscheidungen. Können sich z.B. mit der Zeit selbst abwenden wenn ihnen Hunde entgegen kommen, oder laufen selbständig einen Bogen und beschwichtigen ihr Gegenüber. Alles in allem, sie lernen noch mehr und noch öfters zu kommunizieren, weil sie es dürfen und ihre Mitsprache gefördert wird.

 

Unser Ansatz ist somit ein ganz anderer, wir bestrafen nicht Verhalten, welches unerwünscht ist, sondern wir schauen, dass dieses Verhalten gar nicht erst gezeigt werden muss, weil wir vorher schon die Situationen so gestalten und entschärfen, dass sie gar nicht erst passieren.

 

Natürlich braucht das etwas mehr Wissen, als man hier nun in ein paar Sätzen niederschreiben kann, und natürlich wäre es einfacher den Hund zu bestrafen oder ihn zu unterdrücken. Aber was passiert kurz-, mittel- & langfristig mit der Beziehung zum Hund? Dem Vertrauen, welches wir uns gerne von unserem Hund wünschen? Strafen und Einschüchterungen führen zum Vertrauensverlust und erhöhtem Stress, Ruhelosigkeit oder Rückzug und langfristig sogar zu anhaltenden körperlichen Problemen und chronischen KrankheitenAbgesehen davon führt auch psychischer Druck zur weiteren Überforderung, und beim Akita gerne auch zur Aggression.

Einige Hunde lassen sich mit diesem Druck jedoch auch „brechen“. Das sind die Hunde, deren Licht in den Augen erlischt und die aus Angst, dass sie wieder bestraft werden, mehr oder weniger alles tun was der Mensch ihnen befiehlt. Das hat in unseren Augen nichts mehr mit Erziehung zu tun, sondern ist eine pure Machtdemonstration des Menschen (Vermenschlichung!) und an Überheblichkeit kaum zu übertreffen.

 

Möchte ich wirklich mit einem Hund zusammen leben, der nur bei mir bleibt weil ich ständige Kontrolle über ihn ausüben muss?

Ich denke, wir wollen alle dasselbe, glückliche Hunde, die uns mögen und die sich uns anschließen, weil es gemeinsam einfach schöner ist.

 

Der Akita will nicht die Weltherrschaft übernehmen, und er will uns auch nicht dominieren, er will mit uns in Frieden zusammen leben, verstanden werden und seine Bedürfnisse befriedigt bekommen.

 


Anmerkung zur Lerntheorie:

Dass wir in unserem Umgang mit Hunden ebenfalls mit positiven Verstärkern und negativer Strafe arbeiten, steht außer Frage. Manchmal mag es auch ein negativer Verstärker oder eine positive Strafe sein und wir erklären Ihnen auch gern warum.

 

„Positiv“ und „negativ“ sind im Fall der Lerntheorie mathematisch zu sehen und nicht wertend. Positiv bedeutet „Plus“ – ich füge also etwas hinzu, um mein (Lern-)Ziel zu erreichen. Negativ bedeutet „minus“ – ich nehme also etwas weg, um mein (Lern-)Ziel zu erreichen. „Verstärker“ bedeutet in dem Fall etwas, das der Hund mag oder begehrt. „Strafe“ hingegen ist, wie unschwer zu erraten, etwas Unangenehmes.

 

Zwei Beispiele für positive Verstärkung:

Jemand übt mit seinem Hund die Position „Sitz“. In dem Moment, wo das Hinterteil (des Hundes!) den Boden berührt, bekommt er Lob und/oder Futter. Er lernt durch einige Wiederholungen, dass es sich lohnt, auf ein bestimmtes Signal hin, eine bestimmte Handlung auszuführen.

 

Es ist Sommer und unser Spazierweg führt zu einem Gewässer. Der Hund ist durstig und seine Pfoten sind heiß. Ich sage „Na, geh ins Wasser!“. Er folgt meiner Aufforderung und fühlt sich augenblicklich gut. Ich kann das Wort „Wasser“ danach auf künftigen Spaziergängen für alles Mögliche verwenden. „Such das Wasser“ (als Spiel) oder „Geh zum Wasser“ (z.B. als Richtungswechsel bei unerwünschten Hundebegegnungen) oder was immer mir noch zu „Wasser“ einfällt.

 

In beiden Fällen wird dem Hund Angenehmes hinzugefügt. Im ersten Beispiel vom Menschen, im zweiten nutzen wir etwas, das sich zufällig anbietet und von dem wir wissen, dass der Hund es mag (Umweltbelohnung).

Ohne Zweifel handelt es sich bei der positiven Verstärkung um die für uns wichtigste und unserem Umgang mit Hunden am meisten entsprechende Art, lerntheoretische Grundsätze zu nutzen.

 

Zwei Beispiele für negative Verstärkung:

Jemand möchte seinem Hund das Ziehen an der Leine abgewöhnen. Er hält die Leine und damit das Würgehalsband sehr straff. Wenn der Hund aufhört zu ziehen, wird er nicht mehr gewürgt.

 

Mein Hund tritt sich einen Dorn ein. Ich sage „Na, komm her, das Frauli tuts weg“. Ich entferne den Dorn. Hund assoziiert „zum Frauli kommen, lohnt sich“.

 

Ein unangenehmer Reiz wird in beiden Fällen weggenommen. Wir müssen wohl nicht erklären, dass wir das erste Beispiel für keine geeignete Methode halten. Dennoch wird das noch in vielen Hundeschulen so erklärt. Das zweite Beispiel nutzen wir, wenn es sich ergibt. Auch diese Art zu lernen funktioniert, indem wir die Umstände für uns nutzen und nicht mit Vorsatz handeln. Alle unsere Hunde kommen gern zu uns, wenn ihnen etwas Unangenehmes zustößt.

 

Zwei Beispiele für positive Strafe:

Ein Hund zieht an der Leine und kassiert einen kräftigen Leinenruck. Das ist immer noch eine gängige Erziehungsmethode und eine, die Menschen offenbar sehr leicht fällt. Abgesehen vom moralischen Aspekt ist das noch eine aus mehreren anderen Gründen abzulehnende Sache. Der Hund lernt daraus nicht, was er tun kann, um dem Schmerzreiz zu entgehen, sondern wird nur verunsichert und dadurch vorsichtiger. An der Leine zu ziehen, ist kein bewusster Akt, sondern etwas, das sich aus bestimmten Umständen ergibt (Aufregung, anderes Grundtempo als der Mensch, ein Duft, den er unwiderstehlich findet...) Außerdem kann man nie genau wissen, was der Hund sonst noch mit diesem schmerzhaften Ruck verknüpft. Spielende Kinder, andere Hunde, einen bestimmten Geruch, ein Geräusch usw.

 

Eine fremde Katze betritt unseren Garten. Die Terrassentür ist nur einen schmalen Spalt geöffnet. Einer meiner Hunde sieht sie, springt von der Couch und flitzt zur Tür. Ich sage „tu’s nicht“ und gleich danach touchiert er mit der Schulter schmerzhaft den Türstock. Auch wir wenden also positive Strafe an, wenn auch unabsichtlich.

 

In beiden Beispielen wird etwas Unangenehmes hinzugefügt. Im einen Fall absichtlich, im anderen nicht. Lernen findet in beiden Fällen dennoch statt.

 

Zwei Beispiele für negative Strafe:

Jemand übt mit seinem Hund die Position „Platz“. Der Hund hat noch nicht genau verstanden, was von ihm erwartet wird und setzt sich. Die Belohnung wird vorenthalten und erfolgt erst, wenn der Hund liegt.

 

Meine Hunde freuen sich aufs Spazierengehen. Als ich die Tür öffnen möchte, entsteht Gedränge, die Leinen drohen, sich zu verwickeln. Ich trete einen Schritt zurück und öffne die Tür erst, als sich die Situation wieder entspannt hat.

 

In beiden Fällen wird dem Hund etwas Angenehmes weggenommen oder vorenthalten. Wobei wir sagen müssen, dass wir das erste Beispiel nicht bei unseren Hunden anwenden, weil es uns völlig gleichgültig ist, ob sie sitzen, stehen oder liegen. Wir sehen aber ein, dass es hilfreich ist, wenn jemandem diese Dinge wichtig sind.

 

Das zweite Beispiel kommt bei uns schon zur Anwendung, weil wir Aufregung unter den Hunden vermeiden möchte und auch selbst nicht gern unsere Finger zwischen Leinen und Türstock eingeklemmt bekommen. Das tut nämlich weh und somit haben wir selbst durch positive Strafe gelernt („Sorge für Ruhe beim Rausgehen, sonst tuts weh...“).

Copyright by Ulli Reichmann, Marlen Maurer-Brandenberg, 23.02.2018

Teilen des Original Textes (Link) ist erlaubt, an Text und Bild darf nichts verändert werden, Namen der Autoren müssen genannt werden!

Folgend das PDF zum Download, Abdruck im Club Magazin des Akita Club e.V. Deutschland im März 2018:

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Gewalt in der Hundeerziehung, Marlen & U
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